Samstag, 4. November 2017

Review: Leben und sterben lassen - 1973

Drei Geheimdienstagenten werden ermordet – und James Bond 007 (Roger Moore) nach New York geschickt, um den Fall aufzuklären. Dort kommt er dem karibischen Diplomaten Kananga (Yaphet Kotto) auf die Spur. Offenbar arbeitet dieser mit dem mysteriösen Unterweltboss und Drogenkönig Mr. Big zusammen. Bond macht sich auf in die Karibik. Doch dort erwarten ihn nicht nur allerlei Vodoo-Zauber und ein Killer mit Metallarm, sondern auch die schöne Solitaire (Jane Seymour), die in Diensten von Mr. Big die Zukunft voraussagen kann – und die doch keine Chance gegen die Verführungskünste des smarten 007 hat. - Offizielle Inhaltsangabe







Regisseur Guy Hamilton hatte schon Goldfinger (1964), Diamantenfieber (1971) in die Bond Höhen erhoben. 1973 durfte er in Leben und streben lassen, Roger Moore als neuen Bond präsentieren/schon ein Jahr darauf sollte er mit Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) einen weiteren Bondfilm inszenieren. Bewusst wurde mit Moore die Ära Bond in eine hochstehende humoristische Richtung gelenkt - es sollte die gesamte Bond Aura, bis zur Craig Ära für immer prägen. Viele Fans und Bond Leser sind mit dieser Wandlung unzufrieden. Bei mir funktioniert das heute wie damals - ist halt eine neuer Film Typus, der das Agentenkino bis heute beeinflusst. Flemings zweiter Roman inszeniert eine Geheimorganisation um den Mohn Händler Mr. Big, die weitaus vielschichtiger und innovativer charakterisiert wurde als es Spectre oder Smersh es je wahren/fand ich sehr gekonnt und äusserst unterhaltsam.

Leben und sterben lassen ist mit Abstand, der am meisten Fleming orientiertesten Bonds, da Flemings Wahlheimat Jamaica als grosser Teil der Schauplätze gilt und Moore die snobistische Fleming Attitüden, mit gehobenen Weinen und Anzüge aus der Savile Row, auf die Spitze treibt - daran musste sich der actionverwöhnte Connery Gucker erstmal gewöhnen. Die One Liner sind humoristischer und weniger giftig als beim Vorgänger, aber auch die Action erzeugt so einiges an Ulk - ob eine Plastikschlange, oder die Räuberleiter auf den Krokodilrücken sowie die überlange Motorbootjagt über den Highway, der hier den dickbäuchig Kautabak kauenden J.W. Pepper als Lachnummer inszeniert - alles sehr aufwendig gemacht, aber immer mit dem Schalk im Nacken. Der Paul McCartneys Titelsong „Live and Let Die“ mit seinem LSD geschwängerten Rhythmus rundet das Gesamtpakte bestens ab/dabei bin ich nicht mal Paul McCartney Fan!

Der Film wurde hervorragend gecastet. Yaphet Kotto aus Alien, spielt eine Doppelrolle und auch die Nebenbesetzung mit Geoffrey Holder als Baron Samedi ist eine Granate/hat mir schon bei Scharlachroten Piraten 1976 imponiert. Die Bond Bunnys fallen diesmal eher etwas dünn aus. Jane Seymour als jungfräuliche Solitaire, konnte mich nicht rumkriegen. Da hat mir der Kurzauftritt von dem schönen Blaxploiationstar Gloria Hendry schon mehr überzeugt. Ansonsten entsteht hier kaum weibliches Charisma - Schade!

Fazit: Wenn ich mir heute Leben und streben lassen angucke, sehe ich einen Roger Moore der sich durch einen schrulligen Blaxploitation Movie der frühen 70er Jahre kämpft. Als Agent eher tollpatschig und von Meistererfinder Q ignoriert, dient ihm nur seine hochtechnisierten Armbanduhr als Gadget. Mit viel Glück kämpft er sich als Dandy durch die Exotische Schauplätze, es entsteht ein herrlich charmanter fast schon pulpiger Jungle Voodoo Groove. Das ganze erzeugt eine herrlich trashig ulkige Situationskomik, bei der man sich schmeichelhaft fremdschämen kann/aber nicht muss. Ich mag Moore`s erster Einsatz als 007 - herrlicher Blödsinn und gnadenlos drüber. 


Lieblingszitat: "Er kommt aus London, er ist Engländer."

Filmwissen: Roger Moore hat sich bei einem Probelauf auf dem Scheelboot, durch einen Sturz eine Beinquetschung, blaue Flecken sowie ein ausgeschlagener Schneidezahn eingeholt. Leben und streben lassen läutet auch den Schwanengesang von Produzent Saltzman bei den Bondfilmen ein - hier sollte sie Zusammenarbeit zwischen dem ehemaligen Dreamteam Broccoli/Saltzman enden.

8/10

Viertsichtung am 3.11.2017: Die etwas skurrilen und unsinnigen Situationen, werden von Moore bestens verstanden und umbesetzt. Wer eine höhere Toleranzgrenze gegenüber hochstehenden Filmflausen hat,/wie ich, dem wird der Film auch heute noch gefallen - hat kaum Staub angesetzt! 8/10

Sammlung: 20th Century Fox (James Bond Jubiläums-Collection) aus dem Jahre 2012. Bild ist eine Wucht. Ton nur für eine 5:1 geeignet, da die Sprachspur sehr dünn ausfällt - hat mich gestört. Eine Doku um den Moore Einstand schmücken die Extras aus. Nett aber kein grosser Wurf. 6/10

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