Mittwoch, 27. März 2019

Charles Platt - The Gas


Ich empfehle jedem Leser, sich direkt der Geschichte von Charles Platt zu widmen und seine Erklärung zu Beginn des Buches, im Nachhinein zu lesen. Also ab hier weiterlesen, auf eigene Gefahr...

In der Einleitung erläutert Platt seine Idee zu The Gas und die sind rein persönlicher Natur. Sein Zorn und Frust über sein britisches Erbe, seine Freundin, seine frühere Universität, seine Mutter, seine Vermieterin und der Kirche sind omnipräsent und werden ohne Übergang in eine pornographisch visuelle Sprache gepackt, die in den 70er bis hin zu den 80er als Verteufelung galt. So wurde die amerikanische Erstausgabe 1970 beschlagnahmt. Ebenso scheiterte der zweite Versuch 1980, wo die Polizei Verlagsräume stürmte und so wurde The Gas in Europa verboten.
Diese Ausgabe ist eine im Jahre 1995 überarbeitet Fassung die nun erstmals in deutsch vorliegt - Festa sei Dank oder auch nicht....

Leider startet die Slapstick Sadomasochismus Orgie bei mir nicht wirklich durch. Dabei wäre die Story um das entweichte Gas, dass aus müden Bürgern, sexuell uneingeschränkte Bestien macht, in seiner Basis nicht uninteressant. Was bei rauem Sex beginnt, endet in einem ekelhaft, abscheulich, widerwärtig Pädophilen Opus, dass sicherlich Seinesgleichen sucht, aber keine Berechtigung aufweist. Alles Over the Top mit viel Zorn gegen die Gesellschaft geschrieben, lässt Charles Platt seiner angestauten Aggression und sexuellen Frustration, in Form von versteckten Symboliken freien Lauf.

Die Geschichte ist in Kapitel gegliedert, das einem Gonzo nicht ganz unähnlich erscheint. Ein niemals endendes Repertoire eines Porno und in den Rahmen als perverse, sittlich und moralisch verdorbene Groteske gesteckt, funktioniert The Gas bei mir nur bedingt als Lesespass. Da schlichtweg all die versteckte zynische Obszönität, vom Autor mit der Begründung "Pornographie und Obszönität sind nicht dasselbe" abgetan wird, kann man unter dem Mantel der liberalen Literatur, Inzest als Schreibwerkzeug missbrauchen und von dem gibt es in The Gas so einiges zu lesen. Jedoch sei dem Autor gutzuschreiben, dass er das Kunststück bewirk, trotz brachialen Sexrogien, The Gas nie in eine obszöne vulgäre Sprache zu packen und aus seinem Roman eine plakativen Dirty Talk zu machen. Literarisch ist das schon ein akzeptabler Spagat. Somit liegt Platt mit seiner Aussage "Pornographie und Obszönität sind nicht dasselbe", vollkomen richtig.

Ich hoffe das ist einigermassen nachvollziehbar, wieso ich den Roman von Charels Platt dann am Ende doch nicht mag. Nicht weil mir das Szenario zu hart erscheint, den ich glaube nach A Serbian Film und all den Edward Lee Ferkeleien,  wird mich wohl so schnell nichts mehr schocken. Jedoch das sich Charles Platt mit The Gas eine Plattform schafft, in dem er seiner endlosen Opposition, Ausdruck verschafft, fand ich immens störend und geradezu unsympathisch und am Ende auch etwas armselig.

4/10

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