Dienstag, 12. Oktober 2021

Review: Clown - 2014

Kent ist Makler und Familienvater. Als er eines Tages in einem Haus ein altes Clownkostüm entdeckt und der gebuchte Clown zur Geburtstagsfeier seines Sohn nicht auftaucht, beschliesst Kent das gefundene Kostüm anzuziehen und den Clown zu geben. Doch was Kent nicht weiss, ist dass ein Fluch auf dem Kostüm liegt und ehe sich Kent versieht, wird er eins mit dem mörderischen Gewand...

2014 war für mich die Horrorwelt noch in Ordnung, ich führte als Admin ein Forum und war mehr als erfreut als die Eli Roth Produktion unter der Regie von Jon Watts bei mir im Player landete. Damals schon wurde die klassische Horrorunterhaltung von der verstörenden Torture Porn Welle verdrängt und sollte sich bis heute bis auf wenige Ausreisser nie wirklich erholen. Inzwischen ist das Torture Genre zum Glück tot und wurde von Wan`s Gruselfilme ersetzt. Natürlich ist auch diese Kuh inzwischen ausgemolken und so wartet die Horror Community nach einer Flut von Zombie Filmen, auf den neusten heissen Scheiss, was die Horrorwelt in Staunen versetzt.

Bis dahin bleibt mir nichts anderes übrig als sich solche Perlen, wie Clown als Auffrischung zu geben und zu erkennen, dass früher doch alles besser war. Regisseur Watts ist inzwischen in Hollywood angekommen und beleifert und mit den neustens Spider - Man Blockbustern und beweist auch hier, dass er sein Handwerk beherrscht. Aber nun zurück zum eigentlichen Thema dieses Posts.

Clown ist brachiale Horrorunterhaltung die mit einer der Urängsten des Menschen spielt, mit einer Materie verwachsen zu sein die nach und nach die Kontrolle über unser Leben übernimmt - ein Tumor. Schon die ersten Szenen in denen sich Kent krampfhaft und ohne Erfolg von dem Gewand und Knautschnase entledigen will, werden zum schieren Grauen. Wie ein tödliches Geschwür übernimmt es die Kontrolle über den Wirt. Als die Tracht, dann in ihm den Lust entfacht seinen Hunger mit Kinderfleisch zu stillen, fährt der Film zur Hochleistung auf und inszeniert gekonnt den unstillbaren Hunger des Menschen, sich wie ein Alligator mit Fressattacken durch den Film zu morden - eine weitere wunderbar gruselige Metapher, den Mensch als Fressmaschine zu inszenieren. 

Während Kent immer mehr zur geifernden Bestie wird und in Italien die Kinoplakate zu Clown entfernt wurden, weil sie einfach zu schockierend waren, setzten die Macher auf visuelle harte Effekte. Was zuvor noch subtil inszeniert wurde, wird jetzt nach und nach zum harten und konsequenten Horrorflick. Je länger das Szenario dauert, desto unbequemer wird das Geschehen. Inhaltlich greift man eine düstere Mär zurück, die wunderbar gruselig aufgebaut wird und sich gekonnt in einer milchig visuellen Tonalität wiederfindet - der Film agiert farblos und baut auf einer schwermütigen späten Herbstkulisse, die wiederum das Kostüm als sinnbetontes Gewand in dem frostigen Settings platziert. Ebenso essenziell für den Film, wie die diese raue kalte Grundstimmung der Geschichte, ist selbstverständlich das Clownkostüm. Eigentlich sollte Vivienne Westwood das Kostüm schneidern, war aber zu der Zeit besetzt. Fällt jetzt nicht wirklich tragisch aus, da der Ersatz, die ebenso pastellige Kleidung fast schon wie eine zweite Haut geschneidert hat und mit muffigen Rüschen versehen hat. 15 Jahre später lässt sich auch das Pennywise Remake von diesem speckig, ranzigen Burlesque Kostüm inspirieren.

Abgesehen von Peter Stormare, spielt der Film mit eher unbekannten und frischen Gesichtern auf. Was der Produktion die eigentlich auf einem Kurzfilm von Watts basiert und 5 Jahre Anlaufzeit brauchte bis dieser fast schon meisterliche Horror Bastard, mit Roth einen Vertrieb fand der den Clown Horror, dann endlich in einige kleine Kinos und später auf BD herausbrachte. 

9/10


Sammlung: Das BD Steelbook von Tiberius



1 Kommentar:

  1. Tach Zult,
    der Film ist ja bis heute unbeachtet an mir vorbeigegangen.
    Aber da Du so begeistert bist,werde ich bei Gelegenheit Clown mal anschauen.

    Viele Grüße
    Sean Archer

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